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Deutschland

In Deutschland werden die Angestellten quellenbesteuert. Das heisst, die Arbeitgebenden zahlen pro angestellte Person jeden Monat einen vom Finanzamt festgelegten Betrag ein. Wer sehr wenig verdient, wird von der Steuerpflicht befreit. Jahresfreibeträge:

► Singles (Steuerklasse I/0): bei 11 042 Euro Jahreseinkommen.

► Singles mit einem Kind (Steuerklasse II/0,5): 12 616 Euro.

► Alleinverdiener-Ehepaare ohne Kinder (Steuerklasse III/0): 20 837 Euro.

► Beamtenpensionär (bei Pensionsbeginn 2013): 12 419 (verheiratet: 21 666) Euro.

► Rentner (Neurentner): 14 845 (verheiratet: 29 507) Euro.

 

Frank S., ein in Berlin lebender Deutscher hat ein paar Fragen zum Steuernzahlen beantwortet. Er sagt zum Inkasso in der Schweiz:

«Wenn ich mir vorstelle,
dass ich das alles selbst ausrechnen
und planen müsste,
ich sässe schon lange bei euch in der Schuldenberatungsstelle!»

 

 1.     Haben in Deutschland alle Lohnabhängigen einen Direktabzug der Steuern vom Lohn?
Ja, nur jene, die ganz miese Löhne haben, zahlen keine Steuern. Sonst wüsste ich keine Ausnahme. Egal, ob du Arbeiterin oder Angestellte oder Beamte bist, du erhältst immer deinen Lohn nach Abzug der Steuern, ich lege hier eine Lohnabrechnung bei, vielleicht verstehst du sie ja ;-)

Nach der Einsicht bitte ich allerdings von Almosen abzusehen ;-)

Lohnausweis Deutschland

Lohnausweis: In der linken Spalte siehst du Summe Gesamtbrutto, das ist mein Verdienst ohne Abzüge, dann kommen folgende Abzüge:

Lohnsteuer: Soli Osten (blühende Landschaften, du weißt) Arbeitnehmerbeitrag zur Krankenversicherung (andere Hälfte zahlt der Arbeitgeber) RV ist Rentenversicherung (von der wir aber nix sehen werden bei der Entwicklung) AV ist Arbeitslosenversicherung (war die Zeit schön) PV ist Pflegeversicherung ZV ist glaube ich noch ne zusätzliche Rentenversicherung im ÖD (öffentlicher Dienst)

und dann kommt der Überweisungsbetrag, den kann ich dann auf den Kopf hauen bzw. noch Miete, Essen pp. zahlen ;-)

Alles haarklein erklärt bekommst du in der Datei „Erläuterungen zum Lohnausweis“.

Zum Vergleich: 2300 Euro netto ist für Berlin nicht schlecht, solange du noch einen alten Mietvertrag hast und nicht in Kreuzberg mittlerweile 1000 Euro für eine Bude zahlen musst (meine Nachmieter zahlen das Doppelte der Miete, die ich bezahlt hatte). Eine Krankenschwester verdient in Berlin im 3-Schicht-Dienst mit Zulagen zwischen 1600 und 1800 Euro und hat fachlich sicher mehr drauf als ich.

Der Lohnausweis als PDF

Erläuterungen zum Lohnausweis als PDF

 2.     Weisst du, wie das organisiert ist? Überweisen die Firmen die Beträge monatlich an die Steuerverwaltung?
Die Steuerverwaltung heißt bei uns Finanzamt. Jetzt muss ich mich selbst mal schlau machen, lies doch das mal bitte: http://www.bpb.de/izpb/147080/unser-steuersystem?p=all

Ich bin in der schlechtesten Lohnsteuerklasse 1 als Unverheirateter mit einer tollen Frau und zwei tollen Töchtern an der Backe ;-)
Verheiratete zahlen weniger Lohnsteuer, noch weniger für jedes Kind (das sind dann die sogenannten Kinderfreibeträge).
Die Lohnsteuer behält der Arbeitgeber direkt vom Lohn ein und überweist sie ans Finanzamt, den Staat.
Krankenversicherung wird mir ebenfalls gleich abgezogen. Die Kasse kann ich frei wählen. Dann zahle ich noch den Soli (Aufbau Ost), aber keine Kirchensteuer, Status ungläubig.

Ich stelle fest, der Artikel ist gar nicht schlecht ;-)

3.      Weisst du, ob es Beispiele von Veruntreuungen gegeben hat (Firmen, die das Geld nicht überwiesen, sondern zweckentfremdet haben)?
Ja, aber das sind eher die kleinen Klitschen. Kommt schon mal vor, dass auf dem Bau ein Unternehmer oder Subunternehmer die Sozialabgaben (bspw. die Krankenkassenbeträge) nicht abführt. Aber das dürfte sich im Promillebereich bewegen. Der Staat hat natürlich ein großes Interesse, die Steuern auch zu erhalten. Wir Malocher(innen) entkommen dem Finanzamt nicht. Die Steuerschlupflöcher für die großen Firmen sind hingegen politisch gewollt.

 4.      Wird dieses System des Direktabzugs, der Quellensteuer, in Deutschland von einer politischen Partei oder einer Organisation / Bewegung in Frage gestellt?
Nicht, dass ich wüsste. Das Thema ist eigentlich immer die unglaublich komplizierte Steuererklärung, wenn man was zurückhaben will. Vereinfachtes Steuerrecht ist immer ein Wahlkampfthema, jede Deutsche muss ihre Steuererklärung auf einem Bierdeckel machen können.

 5.     Kennst du aus Deutschland folgende Argumente, wie sie in der Schweiz immer wieder zu hören sind:

  1. Ein Direktabzug der Steuern vom Lohn nimmt Eigenverantwortung von den Bürgerinnen und Bürgern weg
  2. Die Deklaration der Steuern ist ein Zeichen von Vertrauen und Austausch auf Augenhöhe zwischen Staat und BürgerInnen
  3. Ein Staat, der an der Quelle besteuert, misstraut seinen BürgerInnen und behandelt sie wie potenzielle Kriminelle

Nein, mir sind diese Argumente hier noch nie zu Ohren gekommen und klingen mir extrem fremd. Oder ich bin bereits so sozialisiert,  dass mir eine andere Form der Steuereintreiberei schon gar nicht mehr vorstellbar ist.
Die hier aufgeführten Argumente kann ich mir nur unter der historischen Entwicklung der Schweiz aus einer freien Bauerngemeinschaft erklären, da wurden schließlich die Abgaben auch in Ei und Pfennig dem Lehnsherr vorbeigebracht ;-)

 6.     Wie bist du als Lohnabhängiger zum ersten Mal mit der deutschen Steuerverwaltung in Kontakt gekommen?
Finanzamt heißt das bei uns ;-)
Ich hab mich immer vor der Steuererklärung gedrückt, das war ein Horror für mich, diese Ausfüllzettel. Das hat mich nie gross gestört, weil die abgezogenen Beiträge immer ungefähr stimmten und ich nie viel Geld zurückbekommen hätte. Bis plötzlich mal vom Finanzamt eine Mahnung kam, ich müsse jetzt eine Lohnsteuererklärung machen. Frag mich nicht warum – ich hab dann einfach mal eine gemacht. Beigebracht hat mir das erst meine heutige Partnerin. Ich weiß jetzt, dass ich nur schreiben brauche, dass ich eigentlich vom Staat nix wiederbekomme, siehe «Unverheirateter mit toller Frau und...»

 7.     Wie werden die BürgerInnen in Deutschland über ihr Steuersystem und das Inkasso informiert?
Mhmmm, in der Schule? Nie was davon gehört… Eigentlich muss sich da jeder selbst drum kümmern. Vielleicht gibt es darum so viele Steuerberaterinnen? Kostet so 50 Euro die Stunde. Inkasso hat damit erst mal nix zu tun, weil wir hier in Deutschland Inkasso eher mit privaten Eintreibern assoziieren. Steuern werden ja automatisch eingezogen, Inkasso kommt dann von Firmen, bei denen du was bestellt hast oder von der Bahn, wenn du schwarz gefahren bist oder von Privatleuten, zum Beispiel Vermietern, die meinen, ihre Miete nicht bekommen zu haben.

Wenn ich mir vorstelle, dass ich das alles selbst ausrechnen und planen müsste, um Gottes Willen! Säße ich schon längst bei euch in der Schuldenberatungsstelle!

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